Mein Sprunggelenk
In den Abendstunden des 23. Oktober 2012 ereilte mich in der spanischen Stadt Barcelona ein Unglück, das nachhaltige Auswirkungen auf mein zukünftiges Leben haben sollte.
An einer Bushaltestelle in der katalanischen Metropole rutschte ich von einer Bordsteinkante ab, mein rechter Fuß verkantete sich in der Regenabflussrinne der Straße, und ich fiel mit meinem stattlichen Körpergewicht von rund 110 Kilogramm auf mein rechtes Sprunggelenk. Aus diesem Unglück resultierte eine dreifache Sprunggelenksfraktur, einhergehend mit weiteren Verletzungen der gesamten Fußperipherie.
Nach der Notversorgung in einem Krankenhaus der iberischen Mittelmeerstadt ging es in den Nachmittagsstunden des 24. Oktober zurück nach Deutschland. Im Anschluss an meine Rückkehr übernahm das Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil die weitere Versorgung.
Nach diversen Röntgenaufnahmen wurde ich in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober „notoperiert“, und es wurde mir ein externer Fixateur angelegt. In einer weiteren Operation wurde der Fixateur am 26. Oktober neu ausgerichtet. Der Schweregrad der Verletzung erforderte eine Osteosynthese und hierdurch bedingt einen weiteren Krankenhausaufenthalt. Leichte Morphium-Einheiten machten die Schmerzen erträglich.
Am 5. November 2012 wurde die Fraktur per Osteosynthese abschließend behandelt. Die Bruchstellen wurden mit zwei Titan-Implantaten (Platten) und insgesamt zwölf Schrauben versorgt. Am 10. November wurde ich aus dem Universitätsklinikum Bergmannsheil entlassen. Für die darauffolgenden Wochen war absolute Bettruhe verordnet. Statt Morphium gab es nun starke Schmerzmittel und einen VACOped-Orthesenstiefel – beides begleitete mich in den nächsten Wochen und Monaten.
Nach Wochen der absoluten Bettruhe unternahm ich am 16. Februar 2013 mit Gehhilfen die ersten zaghaften Gehversuche in der Wohnung und auf dem Balkon. Bis zum 23. Februar 2013 hatte sich mein Körpergewicht auf 84,1 Kilogramm reduziert. Kein Wunder: Die Nahrungsaufnahme während meines Krankenlagers war eher gering und gesundheitsbewusst ausgefallen, und zusätzlich waren meine Muskeln auf ein Minimum geschrumpft. In den Folgetagen wagte ich mich zweimal täglich mit meinen Gehhilfen für kurze Strecken auf die Straße.
Im März 2013 näherte ich mich mit kleinen Schritten dem großen Ziel – endlich wieder ohne Gehhilfen laufen zu können. Am 8. März begann ich ein Reha-Training mit leichtem Radfahren (Spinning-Rad) – nach knapp fünf Minuten bei zirka 50 Watt war ich mit meiner ersten Einheit und mit meiner Kraft am Ende. Ab dem 11. März absolvierte ich täglich eine „Radeinheit“; zusätzlich trainierte ich zuhause meine Muskulatur. Die Erfolge kamen recht schnell! Am 15. März 2013 gelangen mir die ersten zwei, drei Schritte ohne Gehhilfen – ich musste mich dabei aber noch leicht abstützen. Am Folgetag machte ich bereits die ersten fünf bis acht Schritte völlig freihändig und wiederholte den Vorgang am Abend nochmals. Das Reha-Programm wurde langsam gesteigert.
Am 2. April zeigte die Waage ein Gewicht von 83,1 Kilogramm an. Das Fahrradfahren wurde im Rahmen der Reha intensiv fortgesetzt, ebenso die Laufübungen. Am 14. April wagte ich mich erstmals ohne Gehhilfen aus dem Haus. Vorsichtshalber – quasi als moralische Unterstützung – blieben sie aber in greifbarer Nähe. Am 15. April, bei einer Nachuntersuchung im Bergmannsheil, zeigten sich die Ärzte mit dem Gesamtresultat sehr zufrieden. Sportliche Aktivitäten und weitere Reha-Maßnahmen sollten das Sprunggelenk stärker mobilisieren. Trotz kleinerer Rückschläge in der zweiten Aprilhälfte aufgrund der starken Trainingsbelastung verlief die Reha sehr gut.
Die kontinuierliche Belastungssteigerung zeigte ihre Wirkung: In den Spitzenzeiten – ab dem 6. Mai – lag die Belastungsintensität bei drei bis vier Stunden täglich. Insbesondere das Gehen und die „Laufleistung“ wurden weiter intensiviert. Es schlichen sich jedoch immer wieder Gelenkschwellungen und Schmerzen mittlerer Stärke ein. Die Belastungstests am 15. und 16. Mai verliefen dennoch positiv: Meine Fitness hatte ein Level von zirka 80 Prozent erreicht. Die Rückkehr in den Beruf erfolgte am 20. Mai 2013.
Ende Mai 2013 bereitete ich mich auf meine ersten Volksläufe vor, denn ich wollte meine sportlichen Aktivitäten steigern. Nach den ersten kurzen Volksläufen absolvierte ich am 25. Juni meinen ersten längeren Lauf am Möhnesee – den Jahrhundertlauf über 15 Kilometer. Das Ziel erreichte ich in 3:16:23 Stunden. Ich fühlte mich sehr gut.
Wichtig war mir jetzt die Stabilisierung meiner Leistung. Am 14. Juli 2013 belohnte ich mich für meine Bemühungen und nahm in London am „10k British London Run“ teil. Mit großer Motivation ging ich die weiteren Herausforderungen an. Highlights waren am 21. September der „New York City 10k“-Lauf auf Roosevelt Island sowie am 29. September der 10-Kilometer-Lauf beim „Loch Ness Marathon & Festival of Running“ in Schottland.
Meine Laufleistung steigerte sich rasch, und bereits am 8. Dezember 2013 absolvierte ich im amerikanischen Palm Beach meinen ersten Halbmarathon. Nach 21,1 Kilometern erreichte ich, nur rund 14 Monate nach meinem komplizierten Knöchelbruch, das Ziel in 2:31:42 Stunden.
In der Folgezeit nahm ich weltweit an verschiedenen Laufveranstaltungen teil. Highlights waren sicherlich die zweimalige Teilnahme an der „Bermuda Triangle Challenge“, der Halbmarathon im australischen Melbourne sowie der „Great Barrier Reef Half Marathon“ im australischen Port Douglas. Aber auch der Halbmarathon in Toronto und der „Niagara Falls Half Marathon“ in Kanada werden mir immer in Erinnerung bleiben, ebenso wie die Laufveranstaltungen in Chicago, Dublin, Madrid sowie die zweimalige Teilnahme am „North London Half Marathon“. In Summe überquerte ich über 20 Mal die Ziellinie eines Halbmarathons.
Während der Vorbereitung auf zwei Halbmarathon-Events in Neuseeland verletzte ich mich Ende Oktober 2016 erneut am Sprunggelenk. Im Jahr 2017 versuchte ich zwei Mal ein Comeback. Leider schlugen beide Vorhaben fehl, und nach eingehenden Untersuchungen wurde bei mir Anfang Januar 2018 eine Sprunggelenksarthrose der Stufe 4, der schwersten Stufe der Arthrose, diagnostiziert. Somit endete meine Laufkarriere leider viel zu schnell.
Durch Reha-Maßnahmen und eine veränderte Lebensweise konnte in den Folgejahren der Grad der Schmerzen auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Dennoch musste ich auf sehr viele Aktivitäten verzichten, und ein sehr großer Teil meiner Lebensqualität ging verloren. Ich arrangierte mich mit meiner Situation und war froh, dass ich zumindest mein „normales“ Leben und meine berufliche Tätigkeit aufrechterhalten konnte. Die von diversen Orthopäden empfohlene Sprunggelenksversteifung oder auch ein künstliches Sprunggelenk lehnte ich nach reiflicher Überlegung ab, da diese Optionen in meinen Augen und nach Rücksprache mit weiteren Spezialisten nur eine rudimentäre Nachhaltigkeit aufweisen konnten. Somit musste ich mit den Konsequenzen der Arthrose leben und war glücklich über jeden Spaziergang und jeden schmerzfreien Tag. Immerhin verlief mein Leben in halbwegs geordneten Bahnen. Tägliche Gymnastik, meine Lebensweise und das passende Schuhwerk unterstützten mich dabei.
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Bergmannsheil Bochum
Oktober 2012
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8. Cuxhavener Halbmarathon
Cuxhaven, 13. April 2014
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20. Hella Hamburg Halbmarathon
Hamburg, 29. Juni 2014
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Great Barrier Reef Marathon,
Port Douglas Australien,
01. November 2015
